Dienstag, 3. April 2012
Eine Kerze für die Liebe
Leonie fährt mit den Papieren zur Zulassungsstelle und erlebt eine Überrraschung. Sie darf nicht einfach die Verantwortung für den fehlenden Fahrzeugschein übernehmen. Aber der freundliche Beamte der Zulassungsstelle drückt ein Auge zu und läßt sie die eidesstatttliche Erklärung unterschreiben.
Sie bringt ihr neues Auto direkt in eine Werkstatt und läßt es dort einmal durchchecken. Ihr bester Freund Wolf hilft ihr dabei, fährt geduldigt alle Stationen mit ihr ab und steht ihr zur Seite.
Danke höhere Macht, denkt Leonie, daß Du mich immer begleitest.
Leonie verlässt Wolf und fährt zurück in ihr Haus, in dem nun außer den Katzen niemand da ist. Es ist immer noch überfüllt und chaotisch. Leonie schafft es nicht so schnell mit dem Aufräumen. Sie geht durch die Räume und sieht sich gut um - im Zimmer von Helena liegen eine Menge Erinnerungsphotos. Bilder von ihrem Vater, alte Alben und Briefe. Die Kleine scheint sich in die Vergangenheit zurückgezogen zu haben. Vielleicht sollte Leonie ihr einen Kasten dafür zur Verfügung stellen, in den alle Bilder hineinpassen und der bei Bedarf geöffnet und geschlossen werden kann. Ja, denkt Leonie, das ist eine gute Entscheidung. Im Zimmer der kleinen Angie findet Leonie Malsachen. Sie hat ein merkwürdiges Bild gemalt. Eine Familie mit Vater, Mutter, Sohn und Tochter am Weihnachtsabend. Ein Blick in ein hellerleutetes Fenster. Es gibt Geschenke,einen Weihnachtsbaum und glückliche Gesichter. Erschüttert ist Leonie über die dicke Mauer, die Ihre Tochte in kleinster Detailarbeit um das Fenster herumgemalt hat. Diese Mauer nimmt mehr Platz in Anspruch als das Fenster selbst. Leonie begreift, daß Ihre Tochter eine große Sehnsucht nach einer heilen Familie hat, die sie ihr leider nicht geben kann. "Also so sieht die Sehnsucht von Angie aus. Danach sehnt sie sich und soviel Schutz braucht sie". Leonie beschließt, diesem Kind ebenfalls einen Kasten zu schenken für seine Bilder und Malsachen. Einen Kasten, der bei Bedarf auf und wieder zu gemacht werden kann. Leonie entzündet ein Feuer im einzigen Ofen des Hauses um die klamme Kälter zu vertreiben. Dann ruft sie die Urmutter Iria zur Hilfe und fragt sie, was sie mit ihren Kindern falsch gemacht hat, ob sie an ihrem Leid zerbrechen werden oder ob sie es schaffen werden, das Leid zu überwinden und als starke und gesunde Persönlichkeiten heranzuwachsen. Die Antwort von Iria ist immer dieselbe: "Du hast keine Schuld. Alles ist gut, wie es ist, in jedem Moment. Die Antwort auf alle Fragen ist Liebe. Und das weißt Du auch ohne mich...". Ja, das weiß Leonie auch ohne Iria, aber es ist gut, sich von Zeit zu Zeit daran zu erinnern. Lächelnd umarmen sich Iria und Leonie und verabschieden sich wieder von einander. Aber die Worte von Iria klingen noch lange in Leonie nach. Die Antwort auf alle Fragen ist Liebe... Und Leonie packt zwei Kästen aus, setzt sie zusammen und schafft Raum für die Lieblingsbeschäftigungen ihrer beiden jüngsten Töchter.

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