Montag, 2. April 2012
Heute ist ein guter Tag zum Leben.
Leonie erwacht am ersten Tag in ihrem neuen zu Hause und denkt sich: Dies ist ein guter Tag zum Leben. Sie will sich den Herausforderungen stellen. Als wären es nicht davon letzte Nacht schon genug gewesen. Laura ist aufgestanden und in der Wohnung rumgetappt. Sie hat sich an den Zigaretten ihres Großvaters vergriffen, die dieser im Haus seiner Tochter vergessen hatte. Dazu hat sie Kaffee getrunken. Leonie konnte alles hören und wunderte sich sehr. So kannte sie ihre große Tochter gar nicht. Sicher war sie immer schon etwas absonderlich gewesen, sie war nie mit der Herde geschwommen sondern oft gegen den Strom. Sie folgte dabei nur ihren eigenen inneren Gesetzen, was ihr oft Probleme bereitete. Da sie aber aus diesen Problemen bisher immer wieder alleine herausfand, beschließt Leonie auch diesmal nicht einzugreifen. Aber Kaffee und Zigaretten? Das passte nicht zu ihrer ältesten Tochter. Leonie liegt wach und lauscht auf die Geräusche. Der PC im 1. Stock wird hochgefahren und Laura beginnt zu tippen. "Wahrscheinlich chattet sie wieder mit einem ihrer seltsamen Freunde." denkt Leonie und dreht sich um und versucht wieder einzuschlafen. Dann wird auch noch die kleine Angela wach und wimmert. Anscheinend ein böser Traum. Leonie wartet und es dauert nicht lange, da kommt die Kleine schon zu ihr ans Bett und fragt sie wann "meine Baba" wieder kommt. Leonie nimmt sie in die Arme, und sagt ihr, daß sie es nicht wisse. Angela klettert weinend in den Arm ihrer Mutter und läßt sich trösten, so daß Leonie endlich berührt und beruhigt wieder einschlafen kann. Und nun ist endlich Morgen. Der erste Tag in ihrem neuen Leben. Leonie und ihre Kinder essen Käsebrot, die Katzen bekommen Frühstück. Helena isst nichts. Sie ist überhaupt sehr dünn geworden, dafür ist aber Angela in guter Stimmung und läßt sich friedlich versorgen. Und Laura ist frech und fröhlich wie immer. Leonie überlegt, ob sie sie auf ihre nächtlichen Eskapaden ansprechen soll und läßt es dann doch bleiben. Ihre Erfahrung sagt ihr, daß Laura damit herausrücken wird, wenn sie es für notwendig hält, ihre Mutter einzuweihen. Solange nichts schlimmeres passiert, entscheidet sich Leonie dafür, ihr weiter zu vertrauen, wie sie es immer getan hat. Gut sieht sie aus, ihre älteste: Knallenge Jeans, ein Lederband um den Arm, lange dunkle Haare und Sommersprossen im Gesicht. Die dunklen Ringe und die Blässe im Gesicht sind neu. Sie müssen während der langen Zeit der Trennung entstanden sein. Jetzt umarmt Laura Leonie zum Abschied mit den Worten: "Ich muß jetzt in die Schule, Mama, pass gut auf Dich auf und viel Erfolg bei Autokauf".
Ja richtig, denkt Leonie. Das alte Auto fällt fast auseinander. Mühsam hat sie sich das Geld für ein neues zusammengespart und danach will sie sich heute umgucken. Sie zieht sich ihre Kampfhose an, denkt erneut: Heute ist ein guter Tag zum Leben und bringt ihre beiden kleineren Kinder zur Schule und fährt danach direkt zum Autohändler. Dort wartet wie bestellt ein bunter Twingo.....er steht schon seit über einem Jahr dort. Leonie hatte heimlich gehofft, daß er noch da ist. Und richtig. Der Preis ist sogar etwas runtergegangen, weil der Fahrzeugschein fehlt. Leonie macht eine Probefahrt, testet die elektrischen Funktionen und kauft das Auto. Mit ihrem anderen Wagen macht sie sich auf zur Zulassungsstelle um ihren neuen Wagen fahrbereit zu machen.

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