Sonntag, 8. April 2012
Caravane of love
Im Radio läuft Caravane of love. Leonie ist gerade auf der Terasse um dort und im Garten ein wenig Ordnung zu schaffen. Leonie hört die vertrauten Klänge und Worte und erinnert sich.
Als sie selbst 13 Jahre alt gewesen war, hatte sie mit einen ersten Selbstmordversuch unternommen. Sie war alleine zuhause, es war ein sonniger Nachmittag. Sie hatte die Herz-, Kreislauf- und Schmerztabletten ihrer Mutter aus der Schublade in deren Schlafzimmer geholt, sie aus den Verpackungen genommen und hatte dann einen ganzen Berg bunt gemischter Tabletten vor sich auf dem Schreibtisch liegen gehabt. Dazu hatte sie sich aus Blue Curasao und Orangensaft eine giftig grüne Mischung gemacht. Jessy Blue oder grüne Wiese nennt man sowas heute. Für Leonie war es einfach nur Gift gewesen...besonders in Verbindung mit den Tabletten, die sie handvollweise in sich hineinkippte. Sie hörte dazu das Lied "Caravane of love". Das war ihr Lieblingslied und sie mußte dabei immer weinen, aber wie gut taten die Tränen um die Liebe, die immer fehlte. Sie hatte es sich aus dem Radio auf Cassette überspielt und spulte es immer wieder zurück, wenn es fertig war. Dann brach die Dämmerung über sie hinein und ihre Sinne verwirrten sich. Sie legte sich in ihr Bett und hoffte, es sei nun endlich zu Ende. Abends kamen die beiden Schwestern nach Hause, aber sie dachten Leonie sei nicht da. Weil es so ruhig war in ihrem Zimmer. Später Abends kam Jörg - der Exfreund von Leonie. Er kam spontan vorbei um seine letzten Sachen zu holen. Er klopfte an ihre Tür und bat sie reinkommen zu dürfen. Leonie antwortete....sie war so halb da....ich kann jetzt nicht. Er sagte "bitte". Sie ließ ihn rein und legte sich wieder hin. Er bemerkte, dass was nicht stimme und gab den Schwestern Bescheid. Longhi, die Nachbarstocher war auch gerade im Haus. Sie reagierte sofort und brutal. Sie sah die Tablettenhüllen und den Alkohol und schlug und schüttelte Leonie. Dann zerrten sie sie ins Bad zur Badewanne und versuchten sie durch Finger in den Hals stecken und Druckschläge auf den Magen vergeblich zum Erbrechen zu bekommen. Dann kam ein Krankenwagen und Leonie verlor erneut das Bewußtsein. Sie erlangte es wieder als sie einen Schlauch in den Magen gesteckt bekam. Niemand sprach mit ihr. Als der Schlauch herausgezogen wurde, erbrach sie sich in die Nierenschale, die jemand neben sie gestellt hatte. Es roch sauer. Leonie war übel und sie hatte Kopfschmerzen, aber sie war in einem ruhigen Raum mit fremden Menschen. Jemand sprach mit ihr. Stellte Fragen. Leonie antwortete nur knapp und nur das Notwendigste. Sie war so müde und irgendwann ließ man sie in Ruhe schlafen. Irgendwann kam ein Mann in Weiß zu ihr. Es war Tag. Der Mann war freundlich und ruhig und fragte sie warum sie das getan habe. Leonie hatte keine Worte. Wie einem Fremden erklären, wie einsam und mißverstanden sie sich fühle, wie sehr sie sich selbst und ihr Leben hasse und daß sie keine Hoffnung mehr habe. Sie sagte nichts, drehte ihr Gesicht weg. Der Mann sagte, er müsse sie jetzt eigentlich in eine Klinik einweisen. Leonie hoffte er würde das tun, konnte aber immer noch nicht antworten. Sie hoffte so sehr jemand würde sie aus dieser Familie und vor allem von ihrer Mutter wegholen. Aber sie hatte keine Worte. Sie war so müde. Der Mann ging wieder. Sie lag alleine in einem ruhigen Raum und schlief wieder ein. Irgendwann kam ein anderer Mann und sprach mit ihr. Auch er war ruhig und freundlich. Er versuchte erneut herauszubekommen, was mit ihr los sei, warum sie das getan habe. Sie hatte erneut keine Worte. Er sagte ihr dann, daß ihre Mutter da war um sie mitzunehmen. Aber nur, wenn sie das wolle. Aber Leonie hörte nur: "Es gibt keinen Ausweg". Sie zog die Sachen an, die die Mutter mitgebracht hatte. Sie passten nicht zusammen, es waren Sachen die sich schon lange nicht mehr trug. Aber Mutter wußte sowas nicht. Mutter sagte, es wäre nicht einfach gewesen sie da raus zu holen. Sie redete nicht mit ihrer Mutter. Aber ihre Mutter redete mit Herrn Brousek, ihrem Klassenlehrer darüber. Leonie wußte nicht was die besprochen hatten. Longhi, die Nachbarin hatte den Schwestern erzählt, daß Leonie eine Klassenarbeit zurückbekommen hätte, die sie belastet hätte. In Deutsch hatte sie eine 5 bekommen. Sonst waren es immer 1er. Die Aufgabe war gewesen eine Bildbeschreibung in fester Form nieder zu schreiben. Leonie verweigerte ihre Teilnahme am Unterricht und auch die Klassenarbeit, in der sie kaum 5 Sätze schrieb. Es widerstrebte ihr zutiefst ein Bild in seine Einzelteile zu zerlegen. Es kam ihr pervers vor...eine Sezierung des Wirklichen. Ein Bild sieht man nur mit dem Herzen gut, denn das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Die Mutter, der Lehrer, die Schwestern und die Mitschüler dachten nun, daß der Selbstmordversuch eine Folge der schlechten Deutschnote sei. Leonie war das egal. Unverstanden sein war ihr ständiger Begleiter. Sollten sie doch denken, was sie wollen...

Are you ready are you ready are you ready are you ready
are you ready for the time of your life
it's time to stand up and fight it's alright it's alright
hand in hand we'll take a caravan to the motherland
one by one we're gonna stand up with pride
one that can't be denied stand up stand up
from the highest mountain valley low
we'll join together with hearts of gold

Now the children of the world can see
there's a better place for us to be
the place in which we were born
so neglected and torn apart

Every woman every man join the caravan of love
stand up stand up stand up
everybody take a stand join the caravan of love
stand up stand up stand up

I'm your brother I'm your brother don't you know
she's my sister she's my sister don't you know

We'll be living in a world of peace
in the day when every one is free
we'll bring the young and the old
won't you let your love flow from your heart

Every woman and every man join the caravan of love
stand up stand up stand up
everybody take a stand join the caravan of love
stand up stand up stand up

I'm your brother I'm your brother don't you know
she's my sister she's my sister don't you know
we're waiting for a caravan

Are you ready are you ready are you ready are you ready
you better get ready you better get ready
you better get ready you better get ready
we're waiting for a caravan...


Leonie kehrt nach dieser traurigen Erinnerung in die Gegenwart zurück. Sie sieht sich um. Ihr Haus ist sauber und gemütlich. Draussen lockt die Sonne und der Garten. Sie wird heute kämpfen und aufstehen. Sie wird heute für ihre Träume und für die Liebe kämpfen, die Liebe, die endlich ganz in ihrem Haus angekommen ist, die so hell strahlt, daß nichts mehr verborgen bleiben muß. Diese Liebe reicht für die ganze Welt. Diese Liebe ist wirklich.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Krieger des Lichtes
Leonie erwacht um 02:00 Uhr. In Ihrem Kopf sind fremde Gedanken: " Der Krieger des Lichtes hat sein Schwert erhoben und seine Schlacht geschlagen. Der Schatten mußte dem Licht weichen. Gesiegt haben Wahrheit und Menschlichkeit. Der Krieger des Lichtes wurde verletzt, aber nicht getötet. Er darf sich jetzt zurückziehen, um auszuruhen und seine Wunden heilen zu lassen."
Leonie liegt wach im Dunkeln bis das fremde Raunen verhallt ist. Es ist friedlich und ruhig - die Kinder sind nicht da. Leonie spürt in sich hinein - da ist ein tiefer Frieden und keine Angst mehr. Wolf ist weg.
Leonie ist wieder alleine. Glücklich steht sie auf, geht durch ihr Haus, sieht, daß die beiden Katzen zufrieden schlafen, sieht, daß alles gut ist. Nur ein wenig kalt. Im Ofen brennt noch eine kleine Glut. Ein wenig Reissig und ein Scheit Holz reichen und schon bald brennt das Feuer wieder. Leonie dankt ihrer höhreren Macht für die Führung und die wiedererlangte Sicherheit. Ihre Kinder können bald zurückkehren. Das Haus ist wieder warm und sicher.

... link (0 Kommentare)   ... comment