Mittwoch, 9. Mai 2012
Therapeutenmissbrauch
Leonie reflektiert jetzt anders über die Reha in der sie war als vorher. Sie erkennt den Missbrauch, der dort passiert ist. Sie ist retraumatisiert. Die Kinder sind fast verschwunden....sie selbst löst sich langsam auf. Die Verzweiflung, der Schmerz und die Angst bleiben....bei Ihr. Scham und Schuld. Ich werde es diesmal anders machen. Ich werde es anders machen. Holger wird das nie wieder vergessen, was er mit mir gemacht hat. Ich werde dafür von Pontius zu Pilatus laufen. Sagt sie sich. Ich werde nicht aufgeben. Heute wurde es klar, in der Reha Klinik rotten sie sich zusammen. Holger intregiert gegen sie. Er beeinflusst den Klinikchef...seinen Chef wohl auch schon. Leonie will am liebsten sterben. Aber sie wird nicht aufgeben. Sie wird alles tun, um ihre Kinder zurückzugewinnen. Sie wird alles tun.
Emotionaler Mißbrauch, narzistischer Mißbrauch. Sie wird vor Gericht gehen.

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Sonntag, 15. April 2012
Sonnenaufgang 06:30
Es jetzt alles gut. Was zerissen war kann nun wieder zusammenwachsen. Frieden in mir und um mich. Ich erkenne, daß alles richtig ist und daß alles was ist von Gott so gewollt ist. Wir Menschen können das Licht nur dadurch erkennen, daß es auch die Finsternis gibt. Wenn wir aber in der Finsternis versinken und unsere Augen weiter vom Licht abwenden, wird Gott uns weitere Finsternis senden, damit wir den Unterschied begreifen. Solange, bis wir vor ihm, dem Universum und den Naturgesetzen in die Knie gehen. Und wie schön ist es das zu tun. Ich umarme Bäume, wann immer einer in der Nähe ist und ich unbeobachtet bin. In ihnen steckt viel Energie und ich tanke auf. Ich spüre das Leid und die Kraft der Bäume und ich spüre Gott. Sie sind eine Erscheinungsform, die unseren Energien sehr nah sind. Menschen sind zerissen. Ich war es auch. Ich bin wieder heil.

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Sonntag, 8. April 2012
Caravane of love
Im Radio läuft Caravane of love. Leonie ist gerade auf der Terasse um dort und im Garten ein wenig Ordnung zu schaffen. Leonie hört die vertrauten Klänge und Worte und erinnert sich.
Als sie selbst 13 Jahre alt gewesen war, hatte sie mit einen ersten Selbstmordversuch unternommen. Sie war alleine zuhause, es war ein sonniger Nachmittag. Sie hatte die Herz-, Kreislauf- und Schmerztabletten ihrer Mutter aus der Schublade in deren Schlafzimmer geholt, sie aus den Verpackungen genommen und hatte dann einen ganzen Berg bunt gemischter Tabletten vor sich auf dem Schreibtisch liegen gehabt. Dazu hatte sie sich aus Blue Curasao und Orangensaft eine giftig grüne Mischung gemacht. Jessy Blue oder grüne Wiese nennt man sowas heute. Für Leonie war es einfach nur Gift gewesen...besonders in Verbindung mit den Tabletten, die sie handvollweise in sich hineinkippte. Sie hörte dazu das Lied "Caravane of love". Das war ihr Lieblingslied und sie mußte dabei immer weinen, aber wie gut taten die Tränen um die Liebe, die immer fehlte. Sie hatte es sich aus dem Radio auf Cassette überspielt und spulte es immer wieder zurück, wenn es fertig war. Dann brach die Dämmerung über sie hinein und ihre Sinne verwirrten sich. Sie legte sich in ihr Bett und hoffte, es sei nun endlich zu Ende. Abends kamen die beiden Schwestern nach Hause, aber sie dachten Leonie sei nicht da. Weil es so ruhig war in ihrem Zimmer. Später Abends kam Jörg - der Exfreund von Leonie. Er kam spontan vorbei um seine letzten Sachen zu holen. Er klopfte an ihre Tür und bat sie reinkommen zu dürfen. Leonie antwortete....sie war so halb da....ich kann jetzt nicht. Er sagte "bitte". Sie ließ ihn rein und legte sich wieder hin. Er bemerkte, dass was nicht stimme und gab den Schwestern Bescheid. Longhi, die Nachbarstocher war auch gerade im Haus. Sie reagierte sofort und brutal. Sie sah die Tablettenhüllen und den Alkohol und schlug und schüttelte Leonie. Dann zerrten sie sie ins Bad zur Badewanne und versuchten sie durch Finger in den Hals stecken und Druckschläge auf den Magen vergeblich zum Erbrechen zu bekommen. Dann kam ein Krankenwagen und Leonie verlor erneut das Bewußtsein. Sie erlangte es wieder als sie einen Schlauch in den Magen gesteckt bekam. Niemand sprach mit ihr. Als der Schlauch herausgezogen wurde, erbrach sie sich in die Nierenschale, die jemand neben sie gestellt hatte. Es roch sauer. Leonie war übel und sie hatte Kopfschmerzen, aber sie war in einem ruhigen Raum mit fremden Menschen. Jemand sprach mit ihr. Stellte Fragen. Leonie antwortete nur knapp und nur das Notwendigste. Sie war so müde und irgendwann ließ man sie in Ruhe schlafen. Irgendwann kam ein Mann in Weiß zu ihr. Es war Tag. Der Mann war freundlich und ruhig und fragte sie warum sie das getan habe. Leonie hatte keine Worte. Wie einem Fremden erklären, wie einsam und mißverstanden sie sich fühle, wie sehr sie sich selbst und ihr Leben hasse und daß sie keine Hoffnung mehr habe. Sie sagte nichts, drehte ihr Gesicht weg. Der Mann sagte, er müsse sie jetzt eigentlich in eine Klinik einweisen. Leonie hoffte er würde das tun, konnte aber immer noch nicht antworten. Sie hoffte so sehr jemand würde sie aus dieser Familie und vor allem von ihrer Mutter wegholen. Aber sie hatte keine Worte. Sie war so müde. Der Mann ging wieder. Sie lag alleine in einem ruhigen Raum und schlief wieder ein. Irgendwann kam ein anderer Mann und sprach mit ihr. Auch er war ruhig und freundlich. Er versuchte erneut herauszubekommen, was mit ihr los sei, warum sie das getan habe. Sie hatte erneut keine Worte. Er sagte ihr dann, daß ihre Mutter da war um sie mitzunehmen. Aber nur, wenn sie das wolle. Aber Leonie hörte nur: "Es gibt keinen Ausweg". Sie zog die Sachen an, die die Mutter mitgebracht hatte. Sie passten nicht zusammen, es waren Sachen die sich schon lange nicht mehr trug. Aber Mutter wußte sowas nicht. Mutter sagte, es wäre nicht einfach gewesen sie da raus zu holen. Sie redete nicht mit ihrer Mutter. Aber ihre Mutter redete mit Herrn Brousek, ihrem Klassenlehrer darüber. Leonie wußte nicht was die besprochen hatten. Longhi, die Nachbarin hatte den Schwestern erzählt, daß Leonie eine Klassenarbeit zurückbekommen hätte, die sie belastet hätte. In Deutsch hatte sie eine 5 bekommen. Sonst waren es immer 1er. Die Aufgabe war gewesen eine Bildbeschreibung in fester Form nieder zu schreiben. Leonie verweigerte ihre Teilnahme am Unterricht und auch die Klassenarbeit, in der sie kaum 5 Sätze schrieb. Es widerstrebte ihr zutiefst ein Bild in seine Einzelteile zu zerlegen. Es kam ihr pervers vor...eine Sezierung des Wirklichen. Ein Bild sieht man nur mit dem Herzen gut, denn das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Die Mutter, der Lehrer, die Schwestern und die Mitschüler dachten nun, daß der Selbstmordversuch eine Folge der schlechten Deutschnote sei. Leonie war das egal. Unverstanden sein war ihr ständiger Begleiter. Sollten sie doch denken, was sie wollen...

Are you ready are you ready are you ready are you ready
are you ready for the time of your life
it's time to stand up and fight it's alright it's alright
hand in hand we'll take a caravan to the motherland
one by one we're gonna stand up with pride
one that can't be denied stand up stand up
from the highest mountain valley low
we'll join together with hearts of gold

Now the children of the world can see
there's a better place for us to be
the place in which we were born
so neglected and torn apart

Every woman every man join the caravan of love
stand up stand up stand up
everybody take a stand join the caravan of love
stand up stand up stand up

I'm your brother I'm your brother don't you know
she's my sister she's my sister don't you know

We'll be living in a world of peace
in the day when every one is free
we'll bring the young and the old
won't you let your love flow from your heart

Every woman and every man join the caravan of love
stand up stand up stand up
everybody take a stand join the caravan of love
stand up stand up stand up

I'm your brother I'm your brother don't you know
she's my sister she's my sister don't you know
we're waiting for a caravan

Are you ready are you ready are you ready are you ready
you better get ready you better get ready
you better get ready you better get ready
we're waiting for a caravan...


Leonie kehrt nach dieser traurigen Erinnerung in die Gegenwart zurück. Sie sieht sich um. Ihr Haus ist sauber und gemütlich. Draussen lockt die Sonne und der Garten. Sie wird heute kämpfen und aufstehen. Sie wird heute für ihre Träume und für die Liebe kämpfen, die Liebe, die endlich ganz in ihrem Haus angekommen ist, die so hell strahlt, daß nichts mehr verborgen bleiben muß. Diese Liebe reicht für die ganze Welt. Diese Liebe ist wirklich.

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Krieger des Lichtes
Leonie erwacht um 02:00 Uhr. In Ihrem Kopf sind fremde Gedanken: " Der Krieger des Lichtes hat sein Schwert erhoben und seine Schlacht geschlagen. Der Schatten mußte dem Licht weichen. Gesiegt haben Wahrheit und Menschlichkeit. Der Krieger des Lichtes wurde verletzt, aber nicht getötet. Er darf sich jetzt zurückziehen, um auszuruhen und seine Wunden heilen zu lassen."
Leonie liegt wach im Dunkeln bis das fremde Raunen verhallt ist. Es ist friedlich und ruhig - die Kinder sind nicht da. Leonie spürt in sich hinein - da ist ein tiefer Frieden und keine Angst mehr. Wolf ist weg.
Leonie ist wieder alleine. Glücklich steht sie auf, geht durch ihr Haus, sieht, daß die beiden Katzen zufrieden schlafen, sieht, daß alles gut ist. Nur ein wenig kalt. Im Ofen brennt noch eine kleine Glut. Ein wenig Reissig und ein Scheit Holz reichen und schon bald brennt das Feuer wieder. Leonie dankt ihrer höhreren Macht für die Führung und die wiedererlangte Sicherheit. Ihre Kinder können bald zurückkehren. Das Haus ist wieder warm und sicher.

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Freitag, 6. April 2012
Angst
Leonie hat Angst heute Abend. Sie befürchtet, Wolf könnte da draußen im Dunkeln auf sie lauern. Sorgfältig schließt sie alle Vorhänge und Rollos in ihrem Haus und schließt die Haustüre ab.
Sie weiß, daß das alles nichts bringt, wenn er sie holen will, dann wird er es tun, dann kann nichts ihn aufhalten, aber sie hofft, daß der den letzten Schritt, das Überschreiten dieser Grenze nicht tun wird.
Es ist Zeit zu schlafen. Aber Leonies Gedanken sind ruhelos. Sie bekommt kaum Luft. Sie wird den inneren sicheren Ort aufsuchen und danach noch etwas beruhigendes lesen. Sie braucht dringend etwas mehr Schlaf. Sie geht in die Küche, räumt noch den Rest des Abendessens weg und geht dann ins Badezimmer um sich für die Nacht vorzubereiten. Der Blickschutz an allen Fenstern tut ihr sehr gut, sie fühlt sich alleine und geschützt. Als sie ins Wohnzimmer kommt, lacht sie plötzlich die Gitarre so an. Sie setzt sich hin, prüft die Stimmung und spielt und singt wie immer als erstes "wish you were here" von Pink Floyed. Sie denkt dabei - wie immer - an ihren Bruder Wolfgang. Ob er überhaupt jemals wieder mit ihr zu tun haben will. Sie erinnert sich nur ungern an den großen Streit, den sie hatten. Den einzigen den sie jemals hatten, der aber kurz vor seinem Abschied gewesen war. Nur weil sie sich so nahe waren konnten sie einander so verletzen. Sie konnten die Mißverständnisse aus dem Weg räumen. Es waren böse Intrigen im Spiel gewesen. Aber sie hatte nicht vertraut. Am Ende hat sich alles aufgelöst. Sie weiß nicht, ob er ihr wirklich verziehen hat. Seine Umarmung war ehrlich und gut. Pass auf Dich auf, hat er gesagt und daß sie jetzt das kämpfen gelernt habe und es nutzen solle, wenn sie es brauche. Ist das der Grund, warum er sich nicht meldet? Weil er weiß, daß sie auch ohne ihn klar kommt. Wollte er am Ende schon immer weg und ist nur ihretwegen geblieben? Oh Wolfgang, es tut mir so wahnsinnig leid. Sie wünschte sich sehr mit ihm darüber sprechen zu können, ihn fragen zu können, warum er weggegangen ist und was sie falsch gemacht habe. Sie singt noch "these songs of freedom", "Leaving on a jet plane", "Wild World" und "Imagine". Danach ist die Angst weg. Leonie geht in ihr Schlafzimmer unterm Dach - ihren Giebelraum - und macht noch eine Stabiübung. Danach schläft sie friedlich ein.

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Karfreitag
Die Kinder sind auf eigenen Wunsch für ein paar Tage zu Ihrer Großmutter väterlicherseits gefahren. Sie sehen die alte Dame nur selten und Leonie ist erleichtert, daß der Kontakt bestehen bleibt. Eine bescheidene und sehr starke Frau ist sie - Lina - die Mutter ihres Exmannes. Dort sind die Kinder auf jeden Fall über Ostern gut aufgehoben. Leonie ist sehr froh, mal ein paar Tage für sich zu haben und mit ihrer Arbeit vorankommen zu können. Ab Dienstag muß sie ja wieder zu Ihrer Arbeitsstelle. Erst nur vierstundenweise aber dann bald wieder normal. Sie fürchtet sich davor. Wie wird sie es in dieser rauhen Welt der Industrie schaffen mit ihrem neuen Bewußtsein und ihrer neuen Empfindsamkeit zurecht zu kommen? Früher hatte sie Ihren Verstand als Rüstung, Schutzschild und Waffe. Jetzt will sie nicht mehr kämpfen. Wird sie jetzt überrollt werden? Oder wird gar alles leichter? Sie beschließt auch das an die höhere Macht abzugeben und sich weiterhin darum zu bemühen im Augenblick zu bleiben. (5) Ein Wecker tickt, (4) draußen fährt ein Auto vorbei, (3) Das Schnurren von Schneewitchen (2) das Knacken vom Holz im Ofen hinter ihr, (1) ihren eigenen Atem - (5) der linke Fuß steht fest auf dem Fußboden auf, (4) die rechte Kniekehle drückt sich in das linke Knie, (3) ein leichter Innendruck wirkt auf die Augen und die Stirn, (2) der Rücken ist krumm, (1) die Ellenbogen liegen auf dem Schreibtisch auf - (5) Die PC Tastatur, (4) der PC Bildschirm, (3) Schneewittchen, die Borderlinekatze liegt ruhig neben ihr auf dem Schreibtisch, (2) eine Kaffeetasse, (1) Der hölzerne Buchrücken des Adressbuches (5) Bananengeschmack, (4) unterschwelliger Kaffegeschmack, (3) etwas saueres, (2) etwas rauchiges, (1) etwas süßes - (5) Elektrizität, (4) Holzrauch, (3 ) altes Holz, (2) Katze, (1) Kaffee.
Diese Übung hat Leonie in der Reha gelernt und sie hilft ihr sich wieder zu stabilisieren. Sie geht dazu einfach ihre 5 Sinne durch und beschreibt, was sie hört, fühlt, sieht, schmeckt und riecht. Schmecken und riechen fallen ihr dabei immer am schwersten, aber es gibt wenig, was sie so beruhigen kann. Schlechte Nachricht hat sie bekommen. Tanja und Angelika müssen irgendwie aneinandergeraten sein. Irgendwas war in der Kerngruppe los...Leonie hat von Corinna und Malak nur Bruchstücke mitbekommen, aber daß Angelika zuhause ist....vorrübergehend oder doch ganz. Leonie hat sich sofort an Angelika gewandt, aber die Telefonnummer war falsch...die Vorwahl war statt "51" - "11". Also hat sie ihr eine SMS geschrieben, daß sie sich mal melden soll. Und Angelika hat sich gemeldet, Gott sei Dank. Sie ist mit ihrer Schwester unterwegs und wird sich Sonntag oder Montag bei Leonie melden. Das ist gut, jetzt ist Leonie wieder beruhigt. Die gute hatte sie auch wieder daran erinnert, daß alles einen Sinn macht. Ja, Angelika, danke, denkt Leonie. Alles ist gut. Mit ihrer Freundin Ellen hat Leonie heute auch schon telefoniert. Sie haben sich gegenseitig viel zu geben. Leonie hat ihr versprochen ihr das Buch und eine CD von Iria zu schicken. Leonie will es sofort tun, dann wird es nicht vergessen und Ellen freut sich sicher darauf. Einen Rückumschlag für das Buch wird Leonie für Ellen auch dazu legen. Sie freut sich schon auf Ellens Beitrag. Es tut gut, Freundinnen zu haben, denkt Leonie. Wie einfach ist es, wenn ich über meine Sorgen und Probleme sprechen kann, wenn ich höre, wo andere am kämpfen sind, wenn man sich trifft und ergänzt. Danke höhere Macht, danke an die Freundinnen.
Jetzt wird es schon dunkel draußen...da ist es gut, wenn es drinnen warm ist voller guter Gedanken und aufgeräumt. Sie hat wieder mal Mühe sich zu entscheiden, was gut ist. Da sind ganz leichte Kopfschmerzen zu spüren. Nichts anstrengendes mehr machen, denkt Leonie, es ist Zeit, Atem zu holen und neue Kraft zu sammeln. Vielleicht das Hörspiel vom kleinen Prinzen anhören und dabei ein paar Photos sortieren. Aber nur die neuesten, die aus BGB. Die alten sind zu belastend und ausserdem in Beschlag von Helena.

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Der böse Wolf geht um
Wolf ist wieder da: Ein Mann, den Leonie seit Kindertagen kennt und der immer mal wieder auftaucht und wieder verschwindet. Sie war damals 12, als sie ihn kennen lernte - er war schon 27 Jahre alt. Ein Außenseiter, hochintelligent, aber unheimlich und deshalb von den anderen Dorfbewohnern gemieden. Leonie hatte keine Angst vor ihm. Er brauchte sie, ihre kindliche Liebe, ihr Vertrauen, das spürte sie. Und das schenkte sie ihm damals. Das erste mal hatten sie miteinander geschlafen als sie 13 wurde. Das war eine aufregende Zeit für sie. Er mietete ihnen beiden ein Pensionszimmer in einem Ort weit weg von zuhause. Er bettete sie auf Blumen und verwöhnte ihren Körper und ließ sie spüren, daß sie für ihn schon eine Frau war. Sie traf ihn immer mal wieder. Er war viel unterwegs. Sie sprachen nie darüber, was er während dieser langen Zeit der Abwesenheit tat. Sie waren immer nur im Augenblick. Die Abstände zwischen seinen Besuchen wurden länger. Einmal blieb er drei Jahre lang fort. Aber er kam wieder, stand plötzlich an einer Straßenecke, machte die Autotür auf und ließ sie einsteigen und dann waren sie wieder zusammen, als hätte es die lange Zeit der Einsamkeit nie gegeben. Aber dann hat Leonie geheiratet - und Wolf hat das nicht verkraftet. Wie immer stand er an einer Straßenecke, sie war gerade einkaufen. Sie stieg in sein Auto und sagte ihm, daß es nun mit ihnen vorbei sein müsse, weil sie geheiratet habe und ihren Mann auch liebe. "Bitte vergiß mich Wolf. Es passt nicht mehr...ich brauche einen Mann, der beständig an meiner Seite ist." Da zeigte sich Wolf von einer Seite, die Leonie bis dahin verborgen gewesen war: Er fletschte die Zähne und fing an zu knurren. Erst jetzt, wo Leonie ihn erschrocken richtig ansah, bemerkte sie die Veränderung, die mit ihm während seiner letzten Abwesenheit vorgegangen war. Er hatte überall leichtes Fell bekommen, seine Augen waren rotunterlaufen und seine Hände, die doch immer so sanft gewesen waren ähnelten jetzt Klauen. Seine Zähne sahen wie Reisszähne aus. Leonie bekam Angst und verlangte auszusteigen, doch Wolf fuhr einfach weiter, bis in die Stelle am Waldrand in deren Nähe der Platz war an dem sie sich so oft getroffen hatten. Leonie bettelte ihn an, weinte und flehte. Wolf starrte nur eisig vor sich hin. Leonie riß die Autotür auf und rannte weg, so schnell sie konnte. Seitdem hatte sie ihn nicht mehr gesehen. Aber jetzt spürt sie, daß er wieder da ist. Sie spürt es an ihrer Angst, am bis zum Hals laut schlagenden Herz- wahrscheinlich ist das auch der Grund warum Angie immer Nachts wach wird. Längst weiß Leonie, daß Wolf ein Werwolf ist, sie hatte sich heimlich darüber informiert. Aber sie hatte gehofft, ihre Liebe wäre stark genug um verschont zu bleiben. Nun ist er also wieder da. Leonie denkt an ihren Bruder. Vor der Abreise hatte er ihr zugeflüstert, sie solle gut auf sich aufpassen. Sie hatte genickt. Nun ist es also soweit. Sie muß sich dem, was da kommen wird ganz alleine stellen. Wenn doch ihr Bruder Wolfgang hier wäre, wenn sie nur mit ihm reden könnte. Er hatte sie immer beschützt, wenn die Mutter wieder zugeschlagen hatte, er hatte zu ihr gestanden, als sie in einer bösen Schulklasse war, wo sie wegen ihrer meist guten Noten von anderen misshandelt wurde und er war es auch, der immer genau zu wissen schien, was gerade in ihr vorging. Wolfgang war ein Schatz in ihrer Kindheit und ihrem jungen Erwachsenenleben gewesen. Bis sie geheiretet hatte - dann war er fort gegangen. Wie sehr sie ihn seitdem vermisste. Da hilft nur Iria und ihre uralten Weisen von Licht und Kraft. Leonie öffnet ihr Herz für Irias Schwingungen und atmet tief durch. Und wie immer ist Iria da - sie kann sie nicht sehen, aber in ihrem Kopf und ihrem Herzen hört sie die Lieder, die sie so oft zusammen gesungen haben. Es ist Zeit sich dem Tag zu widment, denkt Leonie und weiter zu machen, womit sie begonnen hat. Ich reinige mein Haus, damit sich hier nur gute Geister wohlfühlen....ich werde bis in die letzte Schublade alles dorthin ordnen, wo es hingehört und mich darin wieder finden. Ich werde eine Kerze anzünden für die Liebe und das Licht und Gott um Hilfe bitten und um die Kraft seinen Willen auszuführen. Ich werde Gott danken, für die wunderbaren Menschen, die er mir zur Hilfe schickt und für die Kinder, die mir geschenkt wurden. Ich sing ihm mein Lied.
Mit neuer Kraft macht sich Leonie an die Arbeit. Sie fängt im Schuppen an - dort funktioniert sei zwei Tagen das Licht nicht mehr. Das Licht ist wichtig, weil Leonie oft spät Abends noch Holz für das Feuer hereinholen muß. Sie geht aber nicht gerne im Dunkeln dorthinein, in diesen Schattenraum. Sie öffnet den Verschlußdeckel der Lampe und bekommt erst einmal eine Pfütze Wasser ab....als sie die Glühbirne rausdreht, bemerkt sei, daß auch diese nass ist. Aber seltsam: Sie ist nicht kaputt. Leonie läßt sie eine Weile trocknen und schraubt sie dann in eine andere Fassung im Haus um zu testen, ob es an der Birne oder an der Lampe liegt. Die Glühbirne sieht heil aus....liegt es am Ende an der Lampe. Wie seltsam. Die Lampe hatte ihr Schwager Jörg angeschlossen. Er ist Elektroingenieur und Perfektionist. Was er macht hat immer Hand und Fuß. Um ganz sicher zu gehen schraub Leonie die Birne in die Fassung im Wandschrank unter dem Dach ein und siehe da: Es liegt doch an der Glühbirne. Sie ist tatsächlich kaputt, auch wenn man es nicht sehen kann. Erleichtert holt Leonie eine neue Glühbirne aus dem Keller, schraubt diese im Schuppen an, schraubt die getrocknete Abdeckung wieder an und freut sich über diesen ersten Erfolg des Tages, als das Licht nach Betätigung des richtigen Schalters wieder funktioniert.

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Donnerstag, 5. April 2012
Helena und der grüne Planet
03:22 Uhr. Helena erwacht aus einem Alptraum. Sie liegt in einem Bett in der Psychiatrie. Sie steht auf, es ist Nacht. Niemand ist auf den Gängen. Sie geht durch lange dunkle Hallen. Plötzlich sieht sie an einer Wand einen Menschenkopf hängen. Der Kopf bewegt sich, öffnet die Augen und den Mund. Helena erkennt erkennt ihr eigenes Gesicht. Sie schreit und erwacht erneut in ihrem Bett. Sie steht auf, geht eine Treppe hinunter, ist auf einem Bahnsteig. Sie wacht erneut auf und liegt in ihrem Bett. Sie kann sich von oben sehen. Sie versucht zu schreien. Sie kann sich nicht bewegen. Über ihre Lippen kommt nur ein leichtes Röcheln. Sie kriegt keine Luft mehr, sie kann sich nicht bewegen. Plötzlich ist es vorbei. Helena liegt mit klopfendem Herzen da. Sie rollt sich zusammen, drückt sich an die Wand. Nebenan singt hört sie ihre Mutter für die kleine Schwester Angela singen: "I am the Light of the soal, I am bountiful, I am beautiful, I am blissed, I am Iam." Getröstet von dem fernen Gesang steht Helena leise auf und geht ins Wohnzimmer. Dort legt sie eine Videokassette ein, rollt sich auf dem Sofa zusammen und verabschiedet sich in die Traumwelt des grünen Planeten.

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Mittwoch, 4. April 2012
Laura streunt herum
Laura sitzt auf der Terasse. Der Regen prasselt herab und es ist stockfinster und ruhig. Die 13 jährige raucht genüsslich eine Zigarette. Gerade mal 03:45 Uhr zeigt die Uhr. Laura ist wieder mal wach geworden. Wie immer in letzter Zeit gegen 04:00 Uhr. Sie ist dann sofort hellwach und mag nicht mehr liegen bleiben. Laura weiß nicht genau warum, aber sie schiebt es auf ihre kleine Schwester Angela, die auch immer um diese Uhrzeit wach wird und weint. Mutter tröstet sie dann. Laura schleicht sich an den beiden vorbei. Auch sie hätte gerne etwas Trost, muß sie sich eingestehen, aber sie will die Mutter nicht noch mehr belasten. Sie ist nach ihrem Zusammenbruch drei Monate im Krankenhaus gewesen und gerade erst zurückgekommen. Und sie hat genug zu tun, jetzt wo Pappa nicht mehr hier ist. Laura schnickt die Asche ab und denkt sich: " Was für ein Arschloch....haut ab und läßt uns einfach hier sitzen... wegen mir wäre es ja egal, aber Mama..." Mama wäre sicher traurig, wenn sie wüßte, dass sie raucht. Sie hat die Zigaretten vom Vater an sich genommen und Großvater hat auch noch ein paar dagelassen. Großvater: Wie sie ihn hasste. Wie er sie und ihre Schwestern immer so lüstern angeschaut hat. Sie war die meiste Zeit weg gewesen, aber sie ist sich sicher, daß Großvater die beiden jüngeren Geschwister geschlagen hat. Besonders Helena ist so seltsam geworden. Die war ja schon immer etwas introvertiert, aber jetzt ist sie total abweisend, und wehe man fasst sie an oder verändert was in ihrem Zimmer. Und das Haus hat Großvater auch vernachlässigt. Mama hat echt alle Hände voll zu tun. Aber das Haus sieht schon anders aus, seit Mama wieder da ist. Sie kümmert sich um alles. Aber was drei Monate liegen geblieben ist, kann sie auch nicht innerhalb von zwei Wochen wieder bereinigen... Echt ihr Pech, warum hat sie auch drei Kinder bekommen, denkt Laura und streicht sich die Harre aus dem Gesicht. Sie drückt die Zigarette aus und macht sich auf einen ihrer nächtlichen Streifzüge durch die Nachbarschaft. Mal schauen, was es heute alles zu entdecken gibt.

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Angela
Nachts wird Angie wieder wach...so zwischen 03:00 und 04:00 - wie bereits seit drei Wochen. Weil Leonie auch gerade wach liegt, hörte sie schon das erste leise Wimmern der Sechsjährigen. Sie wartet noch ein wenig ab und steht dann auf um die Kleine zu beruhigen. Sie setzt sich bei ihr ans Bett und singt ihr ein Mantra, bis sie wieder eingeschlafen ist:
I am the light of the soal, I am bountiful, I am beautiful, I am blissed, I am, I am.
Und jetzt ist Morgen und Leonie erwacht ganz friedlich. Sie weckt die Kinder, macht Frühstück, verabschiedet Laura, die wie immer selbst zur Schule geht und bringt Helena und Angie zum Schulbus. Fröhliches Winken aus der hinteren Rückbank und Leonie macht sich wieder auf den Weg nach Hause. Dort macht sie erst mal eine Klingelrunde, wie es in der Klink dreimal die Woche gemacht wurde. Diese Klingelrunden haben den Sinn, zu formulieren, was hier und heute dran ist, sich zu sammeln und klar zu werden. Und wie immer wird ihr auch diesmal klar, was sie zu tun hat und sie schreibt sich einen Zettel, der sie an alles wichtige erinnert:
Staubsaugen und Putzen
Wäsche waschen
Einkaufen
Stabiübung machen
Duschen
Gitarre spielen
Brief an Onkel Willie und Tante Hanne schreiben
Nichts soll zu kurz kommen und Leonie freut sich auf diesen langen und erfüllten Tag. Sie atmet noch einmal tief durch und geht ins Bad um mit dem Putzen anzufangen, denn das scheint ihr gerade das allerwichtigste zu sein.

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Dienstag, 3. April 2012
Bruder
Das ganze Haus ist vollgepackt mit lauter fremden Sachen. Und vieles liegt an Plätzen, wo es nicht hingehört. Unordentlich und staubig ist das kleine Haus während der Abwesenheit von Leonie geworden. Sie muß sehr mit sich ringen, daß sie nicht angesichts der Aufgabe, alles wieder zu richten, verzweifelt. Sie bedient sich einfach der Methoden, die sie in Bad Grönenbach gelernt hat. Sie setzt sich hin, atmet bewusst ein und aus, horcht in ihren Körper hinein, sieht sich offen um, denkt nichts mehr und beginnt zu handeln. Es geht alles wie von alleine. Alles ist klar, was wohin gehört, was weggeworfen und was zurückgegeben werden muß. Auch wenn es noch viele Tage dauern wird, bis die neue Ordnung wiederhergestellt ist, Leonie weiß jetzt, sie ist der Aufgabe gewachsen. Sie weiß ja auch für wen sie es tut: Ihre Kinder Angie, Helena und Laura brauchen dringend Struktur und Geborgenheit, um sich wohlzufühlen. Versonnen wischt Leonie die Wohnzimmerlampe ab. Sie blickt dabei auf das Photo ihres Bruders: Wie lange hat sie ihn nicht mehr gesehen? Als er damals weggegangen ist und sie ihn gefragt hat, wann sie sich wiedersehen, sagte er nur: "Es geht nicht darum, wie wir unsere Beziehung gestalten, sondern darum, daß es ohne mich gehen muß." Leonie hat diese Worte nie richtig zuordnen können. Sie spürt nur, wie sehr sie Ihren großen Bruder vermisst. Er war immer so hilfreich gewesen. Nur seine bloße Anwesenheit hatte ihr schon als kleines Kind einfach gut getan. Leonie atmet tief durch, wischt das Bild mit einem Staublappen ab und stellt es wieder zurück an seinen Platz.

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Eine Kerze für die Liebe
Leonie fährt mit den Papieren zur Zulassungsstelle und erlebt eine Überrraschung. Sie darf nicht einfach die Verantwortung für den fehlenden Fahrzeugschein übernehmen. Aber der freundliche Beamte der Zulassungsstelle drückt ein Auge zu und läßt sie die eidesstatttliche Erklärung unterschreiben.
Sie bringt ihr neues Auto direkt in eine Werkstatt und läßt es dort einmal durchchecken. Ihr bester Freund Wolf hilft ihr dabei, fährt geduldigt alle Stationen mit ihr ab und steht ihr zur Seite.
Danke höhere Macht, denkt Leonie, daß Du mich immer begleitest.
Leonie verlässt Wolf und fährt zurück in ihr Haus, in dem nun außer den Katzen niemand da ist. Es ist immer noch überfüllt und chaotisch. Leonie schafft es nicht so schnell mit dem Aufräumen. Sie geht durch die Räume und sieht sich gut um - im Zimmer von Helena liegen eine Menge Erinnerungsphotos. Bilder von ihrem Vater, alte Alben und Briefe. Die Kleine scheint sich in die Vergangenheit zurückgezogen zu haben. Vielleicht sollte Leonie ihr einen Kasten dafür zur Verfügung stellen, in den alle Bilder hineinpassen und der bei Bedarf geöffnet und geschlossen werden kann. Ja, denkt Leonie, das ist eine gute Entscheidung. Im Zimmer der kleinen Angie findet Leonie Malsachen. Sie hat ein merkwürdiges Bild gemalt. Eine Familie mit Vater, Mutter, Sohn und Tochter am Weihnachtsabend. Ein Blick in ein hellerleutetes Fenster. Es gibt Geschenke,einen Weihnachtsbaum und glückliche Gesichter. Erschüttert ist Leonie über die dicke Mauer, die Ihre Tochte in kleinster Detailarbeit um das Fenster herumgemalt hat. Diese Mauer nimmt mehr Platz in Anspruch als das Fenster selbst. Leonie begreift, daß Ihre Tochter eine große Sehnsucht nach einer heilen Familie hat, die sie ihr leider nicht geben kann. "Also so sieht die Sehnsucht von Angie aus. Danach sehnt sie sich und soviel Schutz braucht sie". Leonie beschließt, diesem Kind ebenfalls einen Kasten zu schenken für seine Bilder und Malsachen. Einen Kasten, der bei Bedarf auf und wieder zu gemacht werden kann. Leonie entzündet ein Feuer im einzigen Ofen des Hauses um die klamme Kälter zu vertreiben. Dann ruft sie die Urmutter Iria zur Hilfe und fragt sie, was sie mit ihren Kindern falsch gemacht hat, ob sie an ihrem Leid zerbrechen werden oder ob sie es schaffen werden, das Leid zu überwinden und als starke und gesunde Persönlichkeiten heranzuwachsen. Die Antwort von Iria ist immer dieselbe: "Du hast keine Schuld. Alles ist gut, wie es ist, in jedem Moment. Die Antwort auf alle Fragen ist Liebe. Und das weißt Du auch ohne mich...". Ja, das weiß Leonie auch ohne Iria, aber es ist gut, sich von Zeit zu Zeit daran zu erinnern. Lächelnd umarmen sich Iria und Leonie und verabschieden sich wieder von einander. Aber die Worte von Iria klingen noch lange in Leonie nach. Die Antwort auf alle Fragen ist Liebe... Und Leonie packt zwei Kästen aus, setzt sie zusammen und schafft Raum für die Lieblingsbeschäftigungen ihrer beiden jüngsten Töchter.

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Montag, 2. April 2012
Heute ist ein guter Tag zum Leben.
Leonie erwacht am ersten Tag in ihrem neuen zu Hause und denkt sich: Dies ist ein guter Tag zum Leben. Sie will sich den Herausforderungen stellen. Als wären es nicht davon letzte Nacht schon genug gewesen. Laura ist aufgestanden und in der Wohnung rumgetappt. Sie hat sich an den Zigaretten ihres Großvaters vergriffen, die dieser im Haus seiner Tochter vergessen hatte. Dazu hat sie Kaffee getrunken. Leonie konnte alles hören und wunderte sich sehr. So kannte sie ihre große Tochter gar nicht. Sicher war sie immer schon etwas absonderlich gewesen, sie war nie mit der Herde geschwommen sondern oft gegen den Strom. Sie folgte dabei nur ihren eigenen inneren Gesetzen, was ihr oft Probleme bereitete. Da sie aber aus diesen Problemen bisher immer wieder alleine herausfand, beschließt Leonie auch diesmal nicht einzugreifen. Aber Kaffee und Zigaretten? Das passte nicht zu ihrer ältesten Tochter. Leonie liegt wach und lauscht auf die Geräusche. Der PC im 1. Stock wird hochgefahren und Laura beginnt zu tippen. "Wahrscheinlich chattet sie wieder mit einem ihrer seltsamen Freunde." denkt Leonie und dreht sich um und versucht wieder einzuschlafen. Dann wird auch noch die kleine Angela wach und wimmert. Anscheinend ein böser Traum. Leonie wartet und es dauert nicht lange, da kommt die Kleine schon zu ihr ans Bett und fragt sie wann "meine Baba" wieder kommt. Leonie nimmt sie in die Arme, und sagt ihr, daß sie es nicht wisse. Angela klettert weinend in den Arm ihrer Mutter und läßt sich trösten, so daß Leonie endlich berührt und beruhigt wieder einschlafen kann. Und nun ist endlich Morgen. Der erste Tag in ihrem neuen Leben. Leonie und ihre Kinder essen Käsebrot, die Katzen bekommen Frühstück. Helena isst nichts. Sie ist überhaupt sehr dünn geworden, dafür ist aber Angela in guter Stimmung und läßt sich friedlich versorgen. Und Laura ist frech und fröhlich wie immer. Leonie überlegt, ob sie sie auf ihre nächtlichen Eskapaden ansprechen soll und läßt es dann doch bleiben. Ihre Erfahrung sagt ihr, daß Laura damit herausrücken wird, wenn sie es für notwendig hält, ihre Mutter einzuweihen. Solange nichts schlimmeres passiert, entscheidet sich Leonie dafür, ihr weiter zu vertrauen, wie sie es immer getan hat. Gut sieht sie aus, ihre älteste: Knallenge Jeans, ein Lederband um den Arm, lange dunkle Haare und Sommersprossen im Gesicht. Die dunklen Ringe und die Blässe im Gesicht sind neu. Sie müssen während der langen Zeit der Trennung entstanden sein. Jetzt umarmt Laura Leonie zum Abschied mit den Worten: "Ich muß jetzt in die Schule, Mama, pass gut auf Dich auf und viel Erfolg bei Autokauf".
Ja richtig, denkt Leonie. Das alte Auto fällt fast auseinander. Mühsam hat sie sich das Geld für ein neues zusammengespart und danach will sie sich heute umgucken. Sie zieht sich ihre Kampfhose an, denkt erneut: Heute ist ein guter Tag zum Leben und bringt ihre beiden kleineren Kinder zur Schule und fährt danach direkt zum Autohändler. Dort wartet wie bestellt ein bunter Twingo.....er steht schon seit über einem Jahr dort. Leonie hatte heimlich gehofft, daß er noch da ist. Und richtig. Der Preis ist sogar etwas runtergegangen, weil der Fahrzeugschein fehlt. Leonie macht eine Probefahrt, testet die elektrischen Funktionen und kauft das Auto. Mit ihrem anderen Wagen macht sie sich auf zur Zulassungsstelle um ihren neuen Wagen fahrbereit zu machen.

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Ankunft
Nach einer langen stürmischen Reise ist Leonie endlich nach Hause zurückgekehrt. Der Zwischenstopp bei der Mutter war beängstigend. Die Mutter kümmert sich nicht um ihr Haus und um ihren armen alten kranken Körper. Die eigenen Katzen der Mutter sehen verwahrlost und krank aus. Sie sind scheu und zurückhaltend und lassen sich von Leonie nicht mal anfassen. Leonie hat ihre Katzen, die dort für die Zeit des Klinik Aufenthaltes in Pflege waren, abgeholt. Die armen Tiere mußten in einem dunklen, kalten und stickigen Keller hausen. Leonie hat sich trotzdem bedankt, weil die Mutter in der Not eingesprungen ist. In Begleitung der Urmutter Iria ist Leonie dann voller Angst zurück in ihr eigenes Haus gekehrt. Dort findet sie die vielen Kinder wieder, die auf sie warten, dort ist noch der Vater, der sich während Leonies Abwesenheit um die Kinder gekümmert hat. Leonie wird nun wieder Herrin in ihrem Haus werden. Sie erkennt ihre Schuld in ihrer langen Abwesenheit, in der sie alles ihrem alten Vater und ihrer gebrechlichen Mutter überlassen hatte. Aber jetzt ist Leonie wieder da. Jetzt wird sie - Jetzt wird sie - die drei Kinder an die Hand nehmen und ins Leben führen, behüten und wachsen lassen...diese kleinen Kinder, die völlig unschuldig sind an ihrem Zusammenbruch sind. Leonie bedankt sich bei ihrem Vater, - wie bereits bei Ihrer Mutter- für seine Hilfe und zieht wieder zuhause ein. Das Haus ist in keinem guten Zustand - überall Staub und es hat sich während ihrer Abwesenheit viel Gerümpel angesammelt. Der Vater hat einiges bei ihr liegen gelassen, was sie nun entsorgen oder zurückgeben muss. Das Aquarium ist verschlammt und verwuchert. Leonies Vater war anscheinend doch von dieser Aufgabe überfordert. Das Becken ist völlig überfüllt. Leonie kümmert sich darum. Sie liebt Lösungen und sie sucht und findet immer welche. Ihre älteste Tochter Laura ist gerade 13 geworden und ringt mit den Herausforderungen der Pubertät. Keine leichte Zeit. Leonie erinnert sich zurück an ihre eigene Pubertät, in der die Dunkelheit über ihr zusammengeschlagen war.....damals war sie auch sehr allein. Leonie bedauert, daß sie nicht bei Lauras Geburtstag dabei sein konnte. Sie beide haben kurz nacheinander Geburtstag. Laura ist am 25.03. 13 geworden und Leonie am 27.03. 40. Diese Tage mußte sie leider noch in der Klinik verbringen. Die zweite Tochter Helena ist 8 Jahre alt. Sie ist sehr zurückgezogen seit einiger Zeit. Still und introvertiert. Leonie weiß nicht genau was mit ihr los ist, aber sie wird sie beobachten und für sie dasein, wenn sie anfängt über das zu reden, was sie so erschreckt hat. Und die jüngste Tochter Angela ist 6 Jahre alt. Sie hat am meisten darunter zu leiden, daß Leonie nun alleine ist. Daß der Vater weg ist. Er hat die Familie alleine gelassen, weil ihm die Arbeit und die Verantwortung zuviel wurden. Angela fragt täglich nach ihrer "Baba", wie sie ihn seit immer schon nennt. Laura zerreisst es das Herz, dieses Kinderleid zu sehen und nicht helfen zu können. Wie soll man einem Kind erklären, daß der Vater selbst noch zu unreif ist, um wirklich lieben zu können? Wie der Not begegnen, die das Kind nicht anders bewältigen kann, als immer wieder sie selbst, die Mutter und auch die Geschwister anzugreifen? Unter der Last des alleinseins ist Leonie schließlich zusammengebrochen. Sie hat den Kontakt verloren zu sich selbst, zu ihren Kindern und ihren Arbeitskollegen. Sie konnte ihren Körper nicht mehr bewegen, ihn nicht mehr nähren und das Haus nicht mehr versorgen. Die Kinder haben Hilfe in der Nachbarschaft gesucht und gefunden und Leonie konnte soweit wieder hergestellt werden, daß sie wieder notdürftig die Kinder versorgen konnte und das Geld verdienen konnte. Ein kluger Nachbar schickte sie zu einer erfahrenen Ärtzin, die weiterhelfen konnte und J.J., ein guter Freund, half ihr dann dabei den Antrag für den Kuraufenthalt auszufüllen. Nach 6 Monaten war es dann endlich soweit. Leonie durfte in die Klinik in Bad Grönenbach einziehen und dort beginnen ihre Vergangenheit zu bewältigen. Dort hat sie ein Wunder nach dem anderen erlebt. Sie hatte zwei gute Begleiter: Tanja und Holger Klink - die Gruppentherapeuten. Sie hatte eine gute Gruppe: Die Struktis. Und dort hat sie Freunde gefunden. Allen voran Angelika, Astrid und Maria. Die werden sie auch weiter begleiten in dieses neue Leben in dem sie endlich gemeinsam mit ihren drei Kindern allein in dem kleinen schiefen alten Haus einen neuen Frieden und ein neues Glück finden kann.

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